dorothy
Und wenn wir übermutig waren,malten wir Herzen

Dünne Striche zierten unsere gemeinsamen Wege. Feine Linie verfolgten uns und dienten zur Orientierung. Wir hielten Spur,irgendwie. An den meisten Tagen wollten wir es bunt und wenn wir übermütig waren, malten wir Kreideherzen auf unserem Weg. Du maltest meine aus - stets innerhalb der Linien. Ich malte großzügiger, oft über den Rand und schon standen Seife und Wasser neben meinen Knien, weil dir die Wahrung der Form so wichtig war.Noch wichtiger aber, war dir meie Rücksicht auf deine Ansicht und deine Maßstäbe. Nur unsere Hände schwebten teilweise über den Strichen, wenn wir mutig genug waren, die Hand des anderen zu halten. Wir versuch(t)en den Halt aneinander zu suchen,anstatt an den dünnen Kreidemalereien unter uns. Wenn unsere Hände zitterten, waren die Linien gezackt - jeder Zacken ein kleiner Dorn. Bei jeder zufälligen Berührung spürte man einen stechenden Schmerz. Aber oft wurden wir nur so daran erinnert, dass es sie gab,die leitenden Linien. Wenn die Wege ins Nichts liefen, änderten wir die Richtung. Noch waren wir uns einig und wir malten gemeinsam weiter, am Ende immer und immer wieder Herzen.
Eines Tages beobachtete ich dich mit einem Wassereimer. Du wolltest meinen letzten Strich auswischen und eine andere Richtung einschlagen. Du hast mich nicht wahrgenommen,erst als es zu spät war. Von da an zogen wir oft scharfe Linien, die aneinander vorbei führten oder sich im Kreis drehten. Bunt war nur noch Vergangenes.
Immer öfters kam es dazu, dass wir uns zwar noch kreuzten, aber stets in entgegengesetzte Richtungen verlaufen. Wir verloren die Orientierung zwischen all den Strichen. Die Malerei mutierte zu einem wirren Bild. Die Herzen hatten wir längst übermalt. Unsere zitternden Hände hinderten uns an weiteren klaren Formen, wir versuch(t)en es dennoch. Und als wir dann beide über den Rand malten, fühlten wir uns wie Kunstfälscher - ertappt und ohne Rechte.

Die Tage werden grau und ein Wind kommt auf. Wir stehen im Regen, schauen zu, wie sich die bunte Brühe im grauen Asphalt verliert. Ich glaube ein Herz zu erkennen und möchte deine Hand greifen, aber mir fehlt die Sicherheit der Linie.

13.2.12 13:21
 


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