dorothy
Halt mich fest

Mit fahrigen Fingern streicht sie sich ihre wirren Haare aus dem Gesicht.
Ihr Blick wandert durch das ihr so beengt erscheinende Zimmer,obwohl es so neu eingerichtet ist.

Weiße Wände, ein viel zu niedriger Tisch, auf dem sich etliche leere Flaschen und Essensreste stapeln und Schübe an Zetteleien, auf denen sich ihre Gedanken tummeln.
Irgendwann in gefühlsintensiven Momenten festgehalten, gekritzelt. Platz gefunden, für das, wofür ihr die Worte fehlen.

Sie seufzt, greift zu den Gauloises neben sich auf dem Fensterbrett, nimmt einen kräftigen Zug und spürt sofort, wie es sich durch ihre Lunge und kurz durch ihren geschwächten Körper frisst.
Es brennt.
Ihre Zehen kribbeln und die Fingerspitzen pulsieren.

Sie starrt aus dem Fenster und hat nur diese Augen im Blick, die sie leer und stumpf anstarren.
Sie zittert, nimmt noch einen Zug von diesen schädlichen beruhigenden Dingern, fängt an zu grinsen und bemerkt gar nicht, dass Tränen über ihre roten Wangen laufen.

Vor der Einsamkeit hatte sie keine Angst, nein.
Vor der Liebe?
Der Offenbarung?
Der Fragen?
Die Antwort ist die Flucht.
Leise, allein, verzweifelt und ohne jeden Feinschliff.

Erneut setzt sich etwas frei, was sie nicht möchte!Stets dieser innere Kampf, im Dialog mit sich selbst, bereit festzustellen, dass es nichts anderes war, als ein an Schizophrenie grenzendes, selbstzerstörerisches und von Selbstmitleid zerfressenes Zwiegespräch in ihr.Unkontrollierbar.

Natürlich sind diese Kopf und herzlosen Liebeleien Gift aber das sind die tägliche Prozedur und die Zigaretten auch. Konsumiere intensiv, fühle intensiver, Mensch sein, Seelen suchen.
Entschlossen springt sie von der Fensterbank, reisst sich ihre Jeans und den Pulli vom Leib, entledigt sich ihrer Unterwäsche und steht splitterfasernackt in diesem engen, weißem Zimmer.

Auf Zehenspitzen, mit tränenverschmiertem Gesicht und zitternden Schenkeln huscht sie ins Badezimmer . Keinen Zweifel, sie wird es tun…sich lösen, sich befreien und dabei nicht diese fremden Augen aus ihrem Kopf verbannen, die sie gerade noch angstarrten.

Mit jeder täglichen Routinebewegung und -tat, scheint der Schmerz in ihren Schläfen zu schwinden. Noch kurz duschen um die schwarze Seele wegzuwischen. Binnen weniger Minuten steht sie vollkommen erschöpft vor ihrem Selbst und lächelt sich an, doch der Blick ist der jene, leere, stumpfe den sie vergessen wollte

13.2.12 13:27
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


winterkind. / Website (23.2.12 13:28)
was für ein schöner eintrag. ._.

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